29.09.2011

Gruppen-WC

An der Tür der Toilette im Pfarrhaus ...
Mal ganz abgesehen von den vielen anderen Fehlern ...

Ihr?
Wirklich "IHR"?
Ist das eine Anweisung für den WC-Besuch in Gruppen?
Ist das die "übergestrige" Höflichkeitsform?
Ist das römisch-katholisches Kirchendeutsch?

Vielleicht ist das auch so gemeint:
Der Herr verlässt das WC so, wie Ihr es vorfinden möchtet. Sauberkeit beginnt beim Herrn selbst.

Wer den Gedankenfaden bisher verfolgt hat, dem ist selbiger noch nicht gerissen. Gerne dürfen jene den Faden weiterspinnen und sich z. B. bezüglich "Herrn" über auf-/niedergeklappte Toilettenbrillen und Stehpinkler ihre ureigensten Gedanken machen.

28.09.2011

Schreiben ≠ Lesen

Schreiben ist nicht allen Menschen gegeben - Lesen jeder Schreibe auch nicht: Keilschrift, Hieroglyphen, Ärztegekrakel und Botenklaue ...

21.09.2011

Da ist der Holzwurm drin!

Mahlzeit ...
Ofenpizza statt Tiefkühlpizza?
Ofenpizza für Holz?
Holzpizza?
Oder vielleicht doch: Holz vorm Ofen, Pizza!

19.09.2011

Steigerungsfähig? Begrenzt ...

sterblich - mehr geht nicht
Adjektive können über den Komperativ bis zum Superlativ gesteigert werden. Theoretisch ganz einfach, praktisch ein einziger begrabener Hund.

Manche Adjektive sind regelmäßig, andere unregelmäßig, manche nur mäßig und wieder andere gar nicht zu steigern. Mal abgesehen davon, ist in der Werbung sowieso alles anders.

Hier ein regelmäßig zu steigerndes Adjektiv: fleißig, fleißiger, am fleißigsten.

Und nun ein Unregelmäßiges: gerne, lieber, am liebsten.

Mäßig wird es z. B. bei diesem: hinterer, hintersten (eine gedanklich naheliegende Steigerung unterbleibt aus allen korrekten Gründen).

Wenn es um Absolute geht, müsste man es überhaupt lassen. Tot, töter, am tötesten hat höchstens Komödienpotenzial. Außerdem ist am rundesten oder am blauesten ebenso unmöglich, wenn es sich nicht grade um persönliche Befindlichkeiten handelt.

Was man werbungsmäßig - zumindest in Österreich -, nicht aus dem Kopf bekommt, ist eine Steigerung der besonderen Art: gut, besser, Gösser. Da kann man nur noch Prost sagen!

18.09.2011

Korrektorat: billiger als ohne


Pünktchen: glänzend statt schwarz
Gutes Korrektorat hätte das verhindert.

Nun hängt sie dort, die teure Tafel mit der gebürsteten Oberfläche. Kahl glänzend die Stelle, an der sich dereinst die schwarzen Pünktchen befunden haben, die das "A" zum "Ä" machten. Verschämt weggekratzt, was ein "e" zur rechten Zeit am rechten Ort verhindert hätte.

Unübersehbar, dass diese mit dem eckigen i-Punkt immer einen hervorstechenden optischen Krieg gefochten hätten. Nur fast vorbei daher auch die typografische Schlacht, von der noch zwei leere Spiegelaugen künden.

17.09.2011

Stolperstein: Straßenname

 A-1070 Wien (7. Wiener Gemeindebezirk)
Überraschend genug, dass es Leute gibt, die ihre eigene Adresse nicht richtig schreiben können. Bedauerlicher, dass auch jene straucheln, die für private und staatliche Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen die Textverantwortung übernehmen. Am schlimmsten ist, dass auch in behördlichen Schriftstücken Straßenbezeichnungen oft falsch geschrieben werden. Damit ist der Fehler amtlich und es bleibt bei Kurzegasse statt Kurze Gasse. Dabei ist es so einfach.

Das ersten Wort wird immer großgeschrieben: Am Graben, Neuer Markt. Alle anderen Wörter ebenso, wenn es sich nicht um einen Artikel handelt: An der Goldenen Stiege.

Kaiserstraße und Bahnzeile sind zusammengesetzte Straßennamen, daher werden sie auch zusammengeschrieben. Übrigens ist die Wiener Kaiserstraße (ab 1760 Kaiserweg, benannt nach Josef II. [1741-1790]) keine Rotlichtmeile wie in Frankfurt. Wer sich für die historischen Hintergründe der Wiener Straßennamen interessiert, dem sei das Historische Straßenlexikon empfohlen.

Straßennamen, die auf "- er" enden, werden getrennt geschrieben, wenn sie von Orten oder Ländern abgeleitet werden: Triester Straße (Fernhandelsverbindung von Wien Richtung Süden, Teil der Bundesstraße 17). Die berühmte Wiener Kärntner Straße ist doppelbödig. Es handelt sich einerseits um die Ortsbezeichnung "Kärnten" und andererseits um den ehemaligen "Karner" (Beinhaus) beim Stephansdom. Hier wurde ähnlich Klingendes miteinander verschmolzen und einem Bedeutungswandel unterzogen. Nur ganz nebenbei: Der berühmteste Karner Österreichs steht in Hallstatt.
In der Schweiz ist es mal wieder wesentlich einfacher, es wird zusammengeschrieben: Winterthurerstrasse statt Winterthurer Straße.

Nicht durch den geografischen Begriff irritieren lassen, Mexikoplatz (im 2. Wiener Gemeindebezirk, hat als einziges Land gegen den Anschluss Österreichs 1938 protestiert) ist nicht abgeleitet (dann wäre es der holprige Mexikoer Platz) und ist somit korrekt.
Nicht durch das "-er" irritieren lassen, Schopenhauerstraße ist korrekt, da der Familienname auf "-er" endet und es sich nicht um eine Ableitung handelt.

Mehrteilige Straßenbezeichnungen werden gekoppelt, wenn sie nach Personen benannt sind: Franz-Klein-Gasse, Josef-Meinrad-Platz, Margarete-Schütte-Lihotzky-Park.

Mein persönlicher Korrekturrekord liegt bei drei falschen Schreibweisen einer einzigen Straße auf der Kontaktseite eines Webauftritts.

16.09.2011

Was ist nahren?

"Kirchenklo" von Pisa (I)
Kommunikationsprobleme ohne Ende hat jene Gemeinschaft, denen von Gott der  Chef  - zurzeit ein Deutscher - gegeben wird. Jedenfalls leistet sich dieses Traditionsunternehmen weder Texter noch Übersetzer, wenn es um das Kommunizieren von Formalia beim Finalisieren von Grundbedürfnissen geht. Dabei würden die - durch das non olet Prinzip reichlich fließenden - Einnahmen der Bedürfnisanstalt unweit des schiefen Turms von Pisa für eine himmlische Texter- und Übersetzer-Heerschar reichen. Aber die Beschnittmarken des Grafikers wurden ja auch ignoriert.

15.09.2011

Großer Brauner, kleiner Schwarzer un/politisch korrekt

1010 Wien ©Sistlau 2007
Meinl-Mohr 1862 (1., Kohlmarkt)  
Wien und seine Kaffeehäuser: Nicht nur literarische Schauplätze für Mord, Totschlag, Kabale, Liebe, sondern auch Lebensraum für Literaten.

Die besondere Beziehung der Wiener zum Kaffee und den Kaffeehäusern hat Tradition. Der Beute aus dem türkischen Heerlager wurden die berühmten Kipferln - ein Spottsymbol auf den besiegten türkischen Halbmond - zur Seite gestellt. Nur am Rande: Die Kipferln werden in Deutschland Hörnchen genannt, während die Hörnchen hierzulande eine Nudelsorte sind. Deutsch ist eben nicht gleich Österreichisch. Aber zurück zum Kaffee: Kaffeebohnen für den Eigenbedarf zu rösten, ist eine Kunst, die 1862 der Kaffeeröster Julius Meinl den Haushalten im großen Stil abgenommen hat. Der kleine Mohr ist seither dem modischen Wandel unterworfenes Traditionszeichen der Firma.

Tradition wird groß geschrieben. Sie beginnt beim schönbrunnergelben Lack, der das Gestrige touristenwürdig übertüncht. Wenn der kaiserliche Lack abblättert, kann es durchaus braun vorblitzen, aber wenn es um den großen Braunen, den kleinen Schwarzen oder den Meinl-Mohr geht, hat es nichts mit Politik oder Rassismus zu tun. Es geht um Kaffee und insbesondere um dessen vielfältige Zubereitung.

Der kleine oder große Schwarze bzw. Mokka wird wie ein Espresso mit Dampfdruck zubereitet. Serviert wird er als einfache (klein) oder doppelte (groß) Portion ohne Milch.

Mit dem Braunen ist es genauso, nur wird dieser mit Kaffeeobers (flüssige Sahne) serviert, die sich in einem Kännchen befindet. Selbst verwandelt der Gast mit dem Obers seinen Mokka in einen Braunen oder eine Schale Gold.

Die Melange ist mit Abstand die beliebteste "Tasse Kaffee" in Wien. Ein verlängerter - mit etwas mehr Wasser zubereiteter - Mokka (Verlängerter) wird mit heißer Milch bis knapp unter den Tassenrand aufgefüllt. Den krönenden Abschluss bildet ein aufgeschäumtes Milchhäubchen.

Mit diesen unverwechselbaren Wiener Gepflogenheiten müssen sich Autoren/Übersetzer vertraut machen. Der schaurigste Mord im Wiener Kaffeehaus wird durch das Bestellen eines Kännchen Kaffees oder eine Tasse Kaffee seinen typischen Wiener Touch gegen deutschlandweite Beliebigkeit tauschen.

14.09.2011

Qual der Vahl

Wer die Vahl hat ...
Betreut werden die Wahlbüros von überaus "wichtigen" Parteimitgliedern und freiwilligen HelferInnen aus der Staatsdienerschaft. Da sitzen sie dann aufgereiht und blättern angestrengt in Vählerlisten. Sie kontrollieren die Ausweise aller Vahlwilligen und schreien sich gegenseitig den Namen zu. Ausweise geben sie dann vahllos VählerInnen retour, die am schnellsten das Vahlkabuff wieder verlassen.

Bald haben wir wieder Vahlkampf, Vahl und einen Vahlsprengel.

Auch Tafeltexte sind ein Hund

Dreckfuhler zum F(l)ü(r)chten ... 
Komm zu mich ich lern dich Deitsch bekommt hier eine völlig neue Dimension des Grauens.

Wenn man Flüchtligswerk laut ausspricht, dann klingt es nach einem Fall für den HNO.

13.09.2011

Vornamen für Produkte sind ...


NEIN!!! 
Vornamen für Produkte sollen eine schnelle Identifikationsbasis für KundInnen bieten. Obwohl es eine bessere Idee als die Zahlenfolge 101.306.28 ist, ist ein Vorname m. E. kontraproduktiv. So mancher Name ist negativ belastet, ohne gleich der Name eines Verbrechers und/oder Politikers jüngeren Datums - Caesar und Napoleon haben ihre Salonfähigkeit wieder erreicht - zu sein. Es gibt unzählige und jeden andere negativ belastete Vornamen: der unfähige Chef, die intrigante Kollegin, die Bürokleptomanin, die menschlichen Räucheraale etc.

Bei mir hat es diese Identifikationsbasis nie gegeben. Vielleicht, weil mir gleich der erste Produktname, der mir bewusst wurde, sauer aufgestoßen ist.

Als Grundschülerin entdeckte ich in einem Supermarkt Reis namens Sigrid. Danach fragte ich meine Mutter, warum ausgerechnet ein Reis-Name an mir hängengeblieben ist. Ihre damalige Erklärung muss gut gewesen sein. Als ich das senffarbene Stuhlkissen beim skandinavischen "Kiefern & Krempel" sah, war ich wirklich, wirklich erleichtert. Erleichtert, dass ich mich NICHT mit einem Stuhlkissen identifiziere, auf dem jeder sein "Brötchen" zum Senf platzieren kann.

Euphemismus - Sterben

Zentralfriedhof Wien ©Sistlau 2010
Wien Zentralfriedhof (1916) 
Die sprachlich schöne, umschreibende Verpackung eines hässlichen, unerwünschten Inhalts nennt man Euphemismus. Euphemismen können Synonyme oder Metaphern sein.

Rund um das Sterben sind die Euphemismen besonders vielfältig. Das Thema ist heikel, wie die ganze Bandbreite von tröstlich, höflich bis distanziert und respektlos belegt. Zugleich spiegeln die Beschönigungen den gesellschaftlichen Kontext wieder.

Eine "kleine" Auswahl
abtreten
auf der Strecke bleiben
Aufbruch zu neuen Weidegründen
Augen geschlossen
aus dem Leben gerissen
aus unserer Mitte genommen
das Lebenslicht ist verlöscht
das Leid hinter sich lassen
das letzte Vaterunser beten
das Zeitliche segnen
den Arsch zukneifen
den Kampf verlieren
den Weg alles Irdischen gehen
der Erde wiederbegeben
der letzte Kampf ist gekämpft
die Bühne des Lebens verlassen
die Erde verlassen
die irdische Hülle abstreifen
die Radieschen von unten wachsen sehen
dran glauben
entseelt
Erlösung finden
ewige Nacht
ewige Ruhe
Frieden finden
heimgegangen
hinscheiden
hopps gehen
in Abrahams Schoß eingehen
in bessere Gefilde übergehen
in den Himmel aufgestiegen
in die Ewigkeit abberufen werden
in die ewigen Jagdgründe eingehen
in Frieden ruhen
ins Gras beißen
irdische Mühsal hinter sich lassen
koppheister gehen
Lebenslicht ausgeblasen
letzte Ruhe finden
letzter Vorhang ist gefallen
Löffel abgeben
sanft entschlafen
von allen Übeln erlöst
von uns gehen
weggehen
zu den Vätern versammeln

12.09.2011

Handleder

Handleder?
Leder aus besten Händen!
Leder aus besten Händen?
Wirklich?
Aus Händen?
Aus besten Händen?
Aus besten Gerberhänden?
Aus besten von Gerbern gegerbten Händen?
Von besten Gerberhänden gegerbte Hände?
Von besten Gerberhänden händisch Gegerbtes?
Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes Leder?
Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes tierisches Leder?
Echt unheimlich…

11.09.2011

Neulich im Postkasten (2)


Reichlich - reicht nicht
 Hoffentlich ist die Kochkunst besser ...

Austriazismen: Pariser ist kein Kondom


Tomate/Paradeiser ©Sistlau 2011
Paradeiser

Die meisten Deutschsprachigen sind keine Österreicher. Diesen sind Grundkenntisse österreichischer Lebensmittelbezeichnungen dringend empfohlen, sollten sie in Österreich überraschungsfrei essen wollen. Denn Pariser ist eine Wurstsorte und kein Kondom!
Es ist auch empfehlenswert, um nicht herablassend belehrt zu werden, dass a Obi eh ka Baumarkt is, des is an Opfelsoft. Übersteigerte Erwartungshaltungen, können dazu führen, dass man den berühmten kaiserlichen Tafelspitz zu laut als ausgekochtes Suppenfleisch mit matschigen Meerettichbrötchen - was der Leibarzt dereinst für den zahnlosen Uraltkaiser empfahl - bezeichnet. Auch wenn es stimmt, es wird übel aufgenommen, dem verdauungsfördenden Mahl des leidenden Monarchen nicht zu huldigen.

Ashanti - Erdnuss
Ananas - Erdbeeren
Beiried - Roastbeef
Beuschel - Lungenhaschee
Blunze - Blutwurst
Bauner (großer | kleiner) - Mokka | Espresso mit Milch
Eitrige - Käsekrainer (Grillwurst)
deka | dag - Dekagramm (1 dag = 10 g)
Eierschwammerln - Pfifferlinge
Eierspeise - Rühreier
Erdapfel - Kartoffel
Faschiertes - Gehacktes
Fisolen - grüne Bohnen
Fleischlaberl - Bulette, Frikadelle
Germ - Hefe
Geselchtes - Kassler
Gespritzer rot/weiß - Weinschorle
Golatsche - Quark gefülltes Blätterteiggebäck
Grammeln - Grieben
Gröstel - Angebratenes (meist Karoffel, Zwiebel, Speck)
Herrenpilz - Steinpilz
Hörnchen - kleine, gebogene Röhrennudeln
Karfiol - Blumenkohl
Kipferl - Hörnchen
Kletze - Dörrbirne
Kletzenbrot - Früchtebrot
Kochsalat - Römersalat, Lattich
Kohl - Weißkohl, kann auch Wirsing gemeint sein
Knödel - Kloß, meist Semmelknödel
Kranawitt - Wacholder
Krapfen - Berliner, Kreppel
Kren - Meerrettich
Kriecherl - Mirabelle
Kukuruz - Mais
Kutteln - Pansen
Leberkäse - Fleischkäse
Löffelkäse - Frischkäse, Hüttenkäse
Marille - Aprikose
Maroni - Esskastanie
Melange - Kaffee mit aufgeschäumter Milch
Mokka - Espresso
Nockerln - Suppeneinlage aus Gries, Süßspeise
Obers - Sahne, Rahm
Palatschinke - dünner Pfannkuchen (gefüllt)
Paradeiser - Tomaten
Powidel - Pflaumenmus
Ribisel - Johannisbeeren
Rote Rübe - Rote Beete
Sauerrahm - saure Sahne
Scherzerl - Brotanschnitt, Knust, Knerzchen
Schupfnudeln - kurze, dicke Kartoffelteignudeln
Schwammerln - Pilze
Semmel - (Weizen-)Brötchen
Sprossenkohl - Rosenkohl
Staubzucker - Puderzucker
Stelze - Eisbein
Sterz - Mehl-Schmalzgemisch, Polenta
Sturm - Federweißer, junger Wein
Tafelspitz - Fleischteilstück | Gericht: ausgekochtes Suppenfleisch mit Semmel-/Apfelkren
Topfen - Quark
Umurke - Gurke
Verhackertes - Brotaufstrich aus Speck und Schmalz
Vogerlsalat - Feldsalat, Rapunzel
Weckerl - längliches (Mehrkorn-)Brötchen
Weichsel - Sauerkirsche
Zuckerl - Bonbon

09.09.2011

Alles Majo - oder was?

©Sistlau 2010
voll fett und daneben
So geschrieben, klingt es ausgesprochen nach Verdauungsbeschwerden.

Dem namhaften Großmarkt ist's übrigens völlig Majo!

Aufhänger, Durchhänger, Abhänger

Lutzmannsburg Nagel ©Sistlau 2007
Altes neu aufgehängt
Beim reizüberfluteten Publikum überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erlangen, benötigt Sensationen vom Fließband. Neue und zugleich spannende Themen zu finden, ist schwer. Aber nicht nur deswegen werden "alte Hüte" gerne mit einem neuen Aufhänger versehen, um sie journalistisch wieder aufwärmen oder noch besser aufkochen zu können. Es ist für alle Beteiligten wirtschaftlich, da man für neue Themen mehr Zeit für die Aufbereitung benötigt, während man Vorhandenes nur adaptieren muss.

Kein Wunder, dass sich daher selbst neue, provokante und relevante Aufhänger u. U. als böse Durchhänger erweisen können. Das Publikum kauft manchem Aufhänger auch deshalb den News-Charakter nicht ab, weil es eindeutige PR-Maßnahmen sind. Gut formulierte Pressemeldungen, die von den eigentlichen, meist negativen Fakten ablenken oder ein Produkt bewerben sollen. Besonders skandalös, wenn Medien diese Produktwerbungen als redaktionelle Beiträge verkaufen. Wenn der Aufhänger "Hautproblem durch Luftverschmutzung" lautet, sollten jedenfalls nicht sämtliche Studien und Experteninterviews aus jener Firma stammen, die soeben eine davor schützende Pflegecreme - deren Name permanent genannt wird - auf den Markt bringt.

KonsumentInnen sind nicht dumm und es ist ein fataler Fehler, sie zu unterschätzen. Ihnen fallen die inhaltlichen Wiederholungen ebenso auf die Nerven wie die kaum verhüllten Verkaufsgespräche. Schlimm, wenn das Publikum das Medium/Anbieter für einen entbehrlichen Abhänger hält.

08.09.2011

Das Elend der Metapher

1150 Wien ©Sistlau 2010
Sprachbuckel
Nicht alle Metaphern werten Texte literarisch auf. Anschaulicher werden Sachverhalte durch den Gebrauch blumiger Umschreibungen auch nicht immer. Wer hingegen Metaphern sparsam wie ein Schotte und treffsicher wie ein Scharfschütze verwendet, erzielt große Wirkung.

Allerdings können sie - natürlich unfreiwillig - beim Überspannen des Kreisbogens zur Erheiterung während des Lektorats beitragen. Auf dem Ohr bin ich blind oder hörst du wie der Ofen stinkt sind richtige Schenkelklatscher. Manche Formulierungen sind so aufreizend, dass man sie bis zum bitteren Ende sprachlich verfolgen muss. Dann fragt man sich als kritisch Lesende auch ohne vollendete Metapher: Wenn man nackte Tatsachen kalt aufzeigt, muss man dann seinen Zeigefinger warm anziehen?

Andererseits können schräge Vergleiche durchaus sinnstiftend eingesetzt werden: Barrierefreiheit: Komm und rieche mit den Augen wie sich Geschmack fühlbar anhört! Die aneinandergereihten inhaltlichen Unvereinbarkeiten bringen es sprachlich besser auf den Punkt, als es die korrekte Formulierung "multisensorische Zugänge" je könnte.

In der Kürze liegt die Würze: Exposé

1060 Wien ©Sistlau 2009
Briefkasten oder Müllkasten?
Aus aktuellem Anlass - um Exposé gegebeten und Aktenordner erhalten - einige Tipps.
Es geht um ein schriftliches Verkaufsgespräch. Das Exposé soll Kunden daher weder langweilen noch überfordern oder anderweitig vergraulen. Weniger ist in diesem Fall zwar mehr, aber Eckdaten dürfen deshalb trotzdem nicht fehlen.

Genre
Auf den Punkt bringen. Dokumentarisches Kinderbuch mit literarischem Anspruch mit Fantasyelementen ist nicht auf den Punkt gebracht.

Zielgruppe
Alle sind sicher nicht die primäre Zielgruppe eines Kinderbuchs - obwohl Erwachsene diese kaufen und Kinder sie lesen sollen.

Arbeitstitel
Knackig und beschreibend soll er sein. Er soll neugierig machen. Erz gegossene und in Marmor gemeiselte Titel lassen viel zu wenig Spielraum.

Inhalt
Eine kurze Skizze genügt. Eine gute Orientierung betreffend Länge und Beschreibung bieten Klappentexte. Im Grunde werden hier Grundsatzfragen was, wer, wo, warum und wie beantwortet und dennoch nicht zu viel verraten.

Produktionsdetails
Umfang (Angaben nach Normseiten), Liefer-/Produktionsvorschläge (TB, E-Book etc.)

Leseprobe
Eine Seite genügt. Das ganze Manuskript liest zunächst niemand, erzeugt Ablehnung und verursacht Versandkosten.

Autor
Kurzbiografie und Kontaktdaten sind essentiell.

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