09.09.2011

Aufhänger, Durchhänger, Abhänger

Lutzmannsburg Nagel ©Sistlau 2007
Altes neu aufgehängt
Beim reizüberfluteten Publikum überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erlangen, benötigt Sensationen vom Fließband. Neue und zugleich spannende Themen zu finden, ist schwer. Aber nicht nur deswegen werden "alte Hüte" gerne mit einem neuen Aufhänger versehen, um sie journalistisch wieder aufwärmen oder noch besser aufkochen zu können. Es ist für alle Beteiligten wirtschaftlich, da man für neue Themen mehr Zeit für die Aufbereitung benötigt, während man Vorhandenes nur adaptieren muss.

Kein Wunder, dass sich daher selbst neue, provokante und relevante Aufhänger u. U. als böse Durchhänger erweisen können. Das Publikum kauft manchem Aufhänger auch deshalb den News-Charakter nicht ab, weil es eindeutige PR-Maßnahmen sind. Gut formulierte Pressemeldungen, die von den eigentlichen, meist negativen Fakten ablenken oder ein Produkt bewerben sollen. Besonders skandalös, wenn Medien diese Produktwerbungen als redaktionelle Beiträge verkaufen. Wenn der Aufhänger "Hautproblem durch Luftverschmutzung" lautet, sollten jedenfalls nicht sämtliche Studien und Experteninterviews aus jener Firma stammen, die soeben eine davor schützende Pflegecreme - deren Name permanent genannt wird - auf den Markt bringt.

KonsumentInnen sind nicht dumm und es ist ein fataler Fehler, sie zu unterschätzen. Ihnen fallen die inhaltlichen Wiederholungen ebenso auf die Nerven wie die kaum verhüllten Verkaufsgespräche. Schlimm, wenn das Publikum das Medium/Anbieter für einen entbehrlichen Abhänger hält.

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