08.09.2011

Das Elend der Metapher

1150 Wien ©Sistlau 2010
Sprachbuckel
Nicht alle Metaphern werten Texte literarisch auf. Anschaulicher werden Sachverhalte durch den Gebrauch blumiger Umschreibungen auch nicht immer. Wer hingegen Metaphern sparsam wie ein Schotte und treffsicher wie ein Scharfschütze verwendet, erzielt große Wirkung.

Allerdings können sie - natürlich unfreiwillig - beim Überspannen des Kreisbogens zur Erheiterung während des Lektorats beitragen. Auf dem Ohr bin ich blind oder hörst du wie der Ofen stinkt sind richtige Schenkelklatscher. Manche Formulierungen sind so aufreizend, dass man sie bis zum bitteren Ende sprachlich verfolgen muss. Dann fragt man sich als kritisch Lesende auch ohne vollendete Metapher: Wenn man nackte Tatsachen kalt aufzeigt, muss man dann seinen Zeigefinger warm anziehen?

Andererseits können schräge Vergleiche durchaus sinnstiftend eingesetzt werden: Barrierefreiheit: Komm und rieche mit den Augen wie sich Geschmack fühlbar anhört! Die aneinandergereihten inhaltlichen Unvereinbarkeiten bringen es sprachlich besser auf den Punkt, als es die korrekte Formulierung "multisensorische Zugänge" je könnte.

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