15.09.2011

Großer Brauner, kleiner Schwarzer un/politisch korrekt

1010 Wien ©Sistlau 2007
Meinl-Mohr 1862 (1., Kohlmarkt)  
Wien und seine Kaffeehäuser: Nicht nur literarische Schauplätze für Mord, Totschlag, Kabale, Liebe, sondern auch Lebensraum für Literaten.

Die besondere Beziehung der Wiener zum Kaffee und den Kaffeehäusern hat Tradition. Der Beute aus dem türkischen Heerlager wurden die berühmten Kipferln - ein Spottsymbol auf den besiegten türkischen Halbmond - zur Seite gestellt. Nur am Rande: Die Kipferln werden in Deutschland Hörnchen genannt, während die Hörnchen hierzulande eine Nudelsorte sind. Deutsch ist eben nicht gleich Österreichisch. Aber zurück zum Kaffee: Kaffeebohnen für den Eigenbedarf zu rösten, ist eine Kunst, die 1862 der Kaffeeröster Julius Meinl den Haushalten im großen Stil abgenommen hat. Der kleine Mohr ist seither dem modischen Wandel unterworfenes Traditionszeichen der Firma.

Tradition wird groß geschrieben. Sie beginnt beim schönbrunnergelben Lack, der das Gestrige touristenwürdig übertüncht. Wenn der kaiserliche Lack abblättert, kann es durchaus braun vorblitzen, aber wenn es um den großen Braunen, den kleinen Schwarzen oder den Meinl-Mohr geht, hat es nichts mit Politik oder Rassismus zu tun. Es geht um Kaffee und insbesondere um dessen vielfältige Zubereitung.

Der kleine oder große Schwarze bzw. Mokka wird wie ein Espresso mit Dampfdruck zubereitet. Serviert wird er als einfache (klein) oder doppelte (groß) Portion ohne Milch.

Mit dem Braunen ist es genauso, nur wird dieser mit Kaffeeobers (flüssige Sahne) serviert, die sich in einem Kännchen befindet. Selbst verwandelt der Gast mit dem Obers seinen Mokka in einen Braunen oder eine Schale Gold.

Die Melange ist mit Abstand die beliebteste "Tasse Kaffee" in Wien. Ein verlängerter - mit etwas mehr Wasser zubereiteter - Mokka (Verlängerter) wird mit heißer Milch bis knapp unter den Tassenrand aufgefüllt. Den krönenden Abschluss bildet ein aufgeschäumtes Milchhäubchen.

Mit diesen unverwechselbaren Wiener Gepflogenheiten müssen sich Autoren/Übersetzer vertraut machen. Der schaurigste Mord im Wiener Kaffeehaus wird durch das Bestellen eines Kännchen Kaffees oder eine Tasse Kaffee seinen typischen Wiener Touch gegen deutschlandweite Beliebigkeit tauschen.

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