30.11.2011

Schule 1855 - Schule 2011

20. Februar 1855, 1. Semster 5. Klasse K. k. Gymnasium (Graz)
Verbalbeurteilungen im Schulsystem sind so 1855 ...

Religion an erster Stelle, gefolgt von Latein, Griechisch, Geschichte/Geografie, Mathematik, Naturwissenschaften und zuletzt Deutsche Sprache sind hier gelistet. Falls die Reihenfolge auch eine Wertigkeit bedeutet, hat sich - bezogen auf die Pisa-Ergebnisse - wenig in Bezug auf "Deutsche Sprache" geändert. Andererseits durfte man damals - weitgehend - schreiben, wie man wollte: Mathematik vorzüglich sowol im Verständniß als auch in der Anwendung 

Gymnasien boten früher eine viel bessere Ausbildung?!

Englisch und Französisch blieben fremde Sprachen - zumindest im schulischen Rahmen. Kulturfächer wie Musik und Kunst waren ebenso wie das Körperfach Sport oder die Handwerksausbildung Handarbeiten/Werken - von den unzähligen Freifächern, Berufspraktika und Fachbereichsarbeiten ganz zu schweigen - im Lehrplan nicht vorhanden. Dass 1855 Sozialkunde/Politische Bildung, Psychologie/Philosophie und EDV noch keine Themen waren, ist nachvollziehbar.

Schule heute: politisches (Wahl-)Vehikel mit Lehrerbashing.

Was gibt es wirklich für Probleme beim Erwerb von Grundkompetenzen (Grundschule), bei Vertiefung der Grund- und Erweiterung auf Kernkompetenzen (Pflichtschule), beim Kompetenzenausbau auf Allgemeinbildungs- und Wissenschaftsbasis (Gymnasium)? Am vorhandenen Angebot kann es wohl nicht (alleine) liegen.

1 Kommentar:

  1. Das betrifft das klassische humanistische Gymnasium, ich habe die Zeugnishefte einer Ur-Ur-Großtante, die mit 5 3/4 Jahren als Vollwaise an einer Schule für höhere Töchter eingeschult wurde (1840).

    Französisch ab der ersten Klasse, bis zum achten Jahr dann dreimal: Französisch -Konversation, -Schreiben und -Grammatik. Musik, ein wenig Handarbeiten, Zeichnen.

    Geschichte wurde zwei Monate durch griech. Mythologie abgelöst. (Zeugnisse gab es alle 1-2 Monate, 814 Noten in acht Jahren, also der ganze Lehrplan abzulesen.)

    Im Revolutionsjahr 1849 folgten dann drei Trimester am franz. Pensionat in Straßburg.

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