05.12.2012

Kommentar zu Sascha Lobo "Netzhass ist gratis"

Pferdearsch © http://sistlau.at/blog

Die S.P.O.N. Kolumne vom 04.12.2012


Unter dem Titel Netzhass ist gratis spricht Sascha Lobo pointiert die ebenso anonymen wie feigen verbalen An- und Übergriffe der NetzUNkultur an. Kommentare, die verletzend und verhetzend sind, verängstigend und aufwühlend. Jene unsachlichen und grob beleidigenden Postings, die leider auch andere Kommentatoren anstecken. Zeile um Zeile ziehen sie sich gegenseitig in einem Strudel aus wüsten persönlichen Beschimpfungen in die tiefste Gosse. Vollkommen zum virtuellen Blutrausch aufgestachelt, werden alle Beteiligten zu Frettchen der verbalen Gemeinheiten, Beleidigungen, Obszönitäten und Gewaltandrohungen. Hauptsache persönlich und untergriffig lautet deren Devise. Immer häufiger - schon längst viel zu häufig - ist ein widerlicher Shitstorm die Folge. Netzhass ist nicht nur gratis, er ist vor allem ebenso billig wie jene, die ihn verbreiten.


Es kann jedem passieren


Dieses Jahr traf es mich auf Facebook. Ich wurde auf meinem eigenen Fleckchen chronisch-virtueller Realität unterirdisch angepöbelt.
Der Betreffende verstand trotz Erklärung nicht, worum es ging und ich merkte nicht, dass er nur völlig ungebildet war: Ein erfolgeicher Geschäftsmensch ohne jegliche Allgemeinbildung. Es war eine Belanglosigkeit ein Missverständnis, das eben nicht aufklärbar war. Dazu hätte es eben mehr als nur Text gebraucht, denn Kommunikation ist multisenorisch, was das Netz eben nicht bieten kann.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt, der bei mir spätestens bei Beleidigungen einsetzt, beende ich das  offensichtlich Nonfunktionale. Wenn Höflichkeit nicht hilft, und beim Gegenüber der kulturelle Lack zusammen mit dem gesellschaftlichen Schliff abblättert, dann wird eben blockiert. Ich würde schließlich auch keinen Randalierer als willkommenen Gast einladen in meiner Wohnung die Stimmung zu verderben.


Löschen und Blockieren sind nur der halbe Erfolg


Hassredner sind wie aggressive Besoffene, die auf der Straße grölen, bis sie jemanden zum Opfer machen können. Wird ihnen die Plattform durch Blockieren entzogen, laufen sie zur Höchtsform des Unterirdischen auf. Das an der einen Pinnwand ausgebliebene Erfolgserlebnis wird sofort in bester Mobbing-Strategie in einer anderen, vertrauteren Gruppe gesucht. Richtig im Niveaulimbo angekommen, wird die Gosse überall dort fleißig breitgetreten, wo sich eine Plattform bietet.

Dass solche Leute letztlich selber ganz winzige Lichtchen sind, Opfer ihres eigenen Versagens, ihrer Ohnmacht und Dummheit, mag zum Begreifen beitragen, aber unverletztlich macht dieses Wissen die Angegriffenen trotzdem nicht.

Was kratzt es den Baum, wenn sich ein Schwein daran scheuert?


fette Sau © http://sistlau.at/blogHassredner diskreditieren vor allem sich selbst. Es gibt nichts besseres, als Schmutzproduzenten - wie alle (ihre) Fäkalien - unbeachtet in den Kanal zu spülen.

Ignoranten, Motzer, Pöbler und Verbalattentäter bestraft man am besten durch Ignorieren, weil Aufmerksamkeitsdefizite von solchen Personen am schlechtesten vertragen werden. Ein Sieg, der sich nicht als Sieg anfühlt, ist wenig aufbauend. Es erfordert eine Menge intellektueller Kraft, um den Sieg als solchen tatsächlich zu empfinden, sowie ein enormes Selbstbewusstsein, um sich nicht die eigenen virtuellen Imagewunden vor dem dunklen Bildschirm zu lecken. Denn es fehlt dem Opfer, rein verhaltensbiologisch betrachtet, der reale Gegenschlag, der den Gegner sichtbar in die Flucht schlägt (!) und allen (vorallem dem eigenen Ego) zeigt, wer zuletzt den besseren Schwinger hatte. Wer das Gefühl des letzten Wortschwingers im Netz braucht, um sich groß, mächtig und erfolgreich zu fühlen, erliegt seinem eigenen Atavismus. Damit wäre man selbst am besten Weg mit der Rolltreppe zu diesen in den Limbo fahren.


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